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Professor Dr. Ing. habil Günter Köhler erhält Kulturpreis für Wissenschaft |
Laudatio der Preisverleihung:
Anlässlich des
Sudetendeutschen Tages wurde am Freitag, 21. Mai 2010, im Rahmen eines festlichen Abends
an Prof. Dr. Ing. habil. Günter Köhler der Sudetendeutsche Kulturpreis für Wissenschaft
von der Sudetendeutschen Landsmannschaft und dem Freistaate Bayern verliehen.
Heimat
ist dort, wo das Vaterhaus steht. Für Professor Günter Köhler ist Heimat die Stadt
Kaaden im Sudetenland. Dort in der Steinkopfmühle wurde Günter Köhler am 4. Oktober
1941 geboren. Schaut man heute vom Schmidgässer Tor hinunter zur Eger, schweift der Blick
über eine große Rasenfläche, wo einst die vielen Häuser der Vorstadt standen. Heute
befinden sich nur noch an der Eger einige Häuser, auch die Steinkopfmühle ist in Resten
vorhanden.
In der Laudatio
ist zu lesen: Zu Hause ist dort, wohin man immer wieder zurückkehren kann,
also ins Vaterhaus. Günter Köhler musste als kleiner Junge erfahren, wie ihm dieses
Zu Hause verwehrt wurde. Mit einigen wenigen Habseligkeiten bepackt
musste sich die Familie auf eine beschwerliche Reise ins Ungewisse machen. In Weimar nahm
sie 1947 ich Ende. Dort ging Günter Köhler nun zur Schule, machte das Abitur und begann
ein Studium an der Universität Jena. Als Sohn eines Landwirts wählte er natürlich die
Landwirtschaft. Bald erkannte er jedoch, dass sein Herz für die Ingenieurwissenschaft
schlägt. 1961 wechselte er an die damalige Hochschule für Schwermaschinenbau Magdeburg.
1970 promovierte er dort mit einem Thema zur Umformtechnik. Die
Friedrich-Schiller-Universität Jena berief ihn 1986 zum ordentlichen Professor. Neben der
Lehre war er mit der verantwortlichen Mitarbeit für den Aufbau eines Technikums Optik an
der Universität in Verbindung mit Carl Zeiss Jena betraut. Zur Wende wurde Günter
Köhler zum ersten Dekan gewählt.
1990 wurde die
Hochschullandschaft in Thüringen neu geordnet und ingenieurtechnische Ausbildung nicht
fortgesetzt. Das war für Günter Köhler das Startzeichen zur Neugründung seines
Lehrstuhles als eigenständiges gemeinnütziges Institut für Fügetechnik und Wertstoffprüfung
im Jahre 1991.
Sein Institut
führte er in unermüdlichem Einsatz zu einer international anerkannten Einrichtung, wo
Forschung, Bildung und Dienstleistung getreu dem Humboldtschen Prinzip als Einheit gelebt
werden. Die Forschungsarbeit befasst sich mit fügetechnischen Prozessen. Hervorzuheben
sind neben der klassischen Schweißtechnik besonders die Arbeitsgebiete
Diffusionsschweißen, Löten, Wärmebehandeln und Kleben. Ein weiterer Forschungsbereich
ist ausgerichtet auf die Lasermaterialbearbeitung lasergestützter Fügeverfahren sowie
die Wasserstrahltrenntechnik. Neben den klassischen Werkstoffen findet die
Präzisionsbearbeitung von Glas und Keramik besondere Beachtung. Im Rahmen der Entwicklung
vom Mikrosystemen wurden in seinem Institut optoelektronische Sensoren geschaffen,
die beispielsweise auf dem Mars in den dort eingesetzten Robotern ihren Dienst verrichten.
Aus Anlass
seines 65. Geburtstages erfuhr Günter Köhler eine besondere Ehrung. Seinem Institut
wurde der Namenszusatz Günter-Köhler-Institut verliehen. Zusammen mit den im
Umfeld des Instituts gegründeten verbundenen Unternehmen sind es inzwischen etwa
300 Arbeitsplätze, die auf Initiative von Günter Köhler entstanden sind.
Inzwischen ist
Köhler Pensionär im Unruhestand. Als Landesvorsitzender des Deutschen
Verbandes für Schweißen und verwandte Verfahren und als Chef eines Transferzentrums der
Steinbeis-Stiftung bringt er seine immensen Erfahrungen weiter ein. Mit seinem Elan wirkt
er auch heute noch immer in zahlreichen Gremien mit, zum Beispiel als Mitglied des
Vorstandsrates des Deutschen Verbandes für Schweißen und verwandte Verfahren oder als
Vorsitzender der Stiftung Lebenshilfe Weimar/ Apolda.
Sein Credo
lautet immer: Wenn man vorwärts schreiten will, darf man nicht ständig mit den Beinen
auf der Erde stehen - die Lebensmaxime eines Visionärs: Miteinander verbinden, was
scheinbar gegensätzlich ist. Deshalb waren für Günter Köhler Technik und Kunst
nichts Gegensätzliches. Von Anfang an stand die Tür seines Instituts Künstlern offen,
besonders denen, deren Werke das Verbindende gestalterisch zum Ausdruck bringen. So
verarbeitete ein Künstler in einer Musikkomposition Arbeitsgeräusche von technischen
Anlagen seines Instituts, uraufgeführt bei der Großen Schweißtechnischen
Tagung in Weimar.
Jährlich
treffen sich im Tobiashammer in Ohrdruf/ Kreis Gotha metallgestaltende
Künstler zu einem Kunstschmiedeseminar. Uraltes Handwerk verschmilzt hier mit dem
Kunstverständnis s der Moderne.
Besonders
beeindruckend war eine Ausstellung mit Kunstwerken, die behinderte Kinder geschaffen
hatten. Mehr als 40 Vernissagen veranstaltete Günter Köhler bisher in seinem Institut.
Eine der ersten gestaltete eine Künstlerin aus der Tschechischen Republik.
Etwa einmal
jährlich erscheint von Günter Köhler ein neues Exemplar seiner Buchreihe Kunst
& Technik. Man kann es von ihm geschenkt bekommen und er freut sich, wenn man
ihn dafür in seinem Wirken für seine Zwecke unterstützt.
Jahrzehnte lang
hat Günter Köhler sein Zuhause nun schon in Jena. Aber seine Heimat ist und
bleibt Kaaden. Niemand konnte sie ihm nehmen. So oft es geht, ist er mit seiner Familie
dort. Aber auch Freunde, Bekannte und Geschäftspartner sind eingeladen, mit ihm gemeinsam
seine Heimat zu erleben. Das ist ihm ein wichtiges Bedürfnis. Voller Stolz erzählt
Köhler dann die Geschichte se einer altehrwürdigen Mühle, deren Reste noch immer wie
eine Trutzburg am Ufer der Eger stehen.
Und noch einen
Wunsch hat Günter Köhler: Ein Projekt sollte es geben im neuen gemeinsamen Europa, das
sein Thüringer Zuhause mit seiner Heimat Kaaden im gemeinsamen Handeln
integrierend verbindet. Für dieses Ziel ringt er, da gibt er die Suche nach
Partnerschaften nicht auf. Er bleibt eben ein Visionär.
Unser Land braucht
solch einen hervorragenden Wissenschaftler wie Professor Günter Köhler mit seiner
Integrationskraft zur Verbindung des anscheinend Gegensätzlichen.
Auch wir
Kaadner sind stolz, mit Professor Dr. Günter Köhler einen international anerkannten
Wissenschaftler in den Reihen unserer Kaadner Landsleuten zu wissen. Wir wünschen ihm
noch viele Jahre Schaffenskraft bei bester Gesundheit.
Horst Kunz für den Heimatkreis Kaaden-Duppau